PFLANZEN AUS EIGENER ANZUCHT
Wer Lust am Experimentieren hat sowie über Zeit und, genügend Platz verfügt, kann selbst Kübelpflanzen vermehren oder seine Balkonblumen eigenhändig heranziehen Abgesehen davon, daß es Freude macht, die Jungpflanzen heranwachsen zu sehen, spart man mit diesem kreativen Hobby auch viel Geld
Lohnen sich bei dem üppigen Angebot an Jungpflanzen eigene Anzucht und Vermehrung eigentlich noch? Darauf lassen sich unterschiedliche Antworten geben. Wer keinen Platz und nur wenige Gefäße zu bepflanzen hat, wird sicher besser vorkultivierte Pflanzen kaufen. Möchte man jedoch viele laufende Balkonmeter oder zahlreiche Gefäße bestücken, ist schon aus ökonomischen Gründen die eigene Anzucht aus Samen oder Steckling anzuraten. Weitere Vorteile: Eine ganze Reihe exotischer Pflanzen ist bei uns nur über Samen im Spezialversand erhältlich. Liebhaber von Raritäten und Neuheiten haben dadurch die Chance, Pflanzen heranzuziehen, die es sonst noch kaum gibt. Beim Gemüse empfiehlt sich die eigene Anzucht ohnehin, da die auf dem Markt angebotenen Jungpflanzen häufig Sorten für den Garten, also nicht unbedingt balkontauglich sind. Es gibt zwei Möglichkeiten zu neuen Pflanzen zu kommen - durch generative Vermehrung aus Samen und durch vegetative Vermehrung aus Pflanzenteilen
Die vegetative Vermehrung
Sie ist bei vielen Pflanzenarten die beste Möglichkeit, in relativ kurzer Zeit blühfähige Kopien der Mutterpflanze zu bekommen. Vermehrt wird hier durch Teilung einer ganzen Pflanze oder aus Pflanzenteilen, die in Wasser, Anzuchterde oder einem anderen Substrat bewurzelt werden Die vegetative Vermehrung empfiehlt sich für Gehölze, Halbsträucher, mehrjährige krautige Pflanzen, Gräser und Zwiebelblumen. Grundregel: Nehmen Sie zum Vermehren nur Teile von gesunden, blühfahigen und wuchsfreudigen Pflanzen, denn der Nachwuchs wird immer ein getreues Ebenbild der Mutterpflanze sein.
Wann vermehren?
Der richtige Zeitpunkt liegt in der Regel im Frühjahr und Frühsommer. Die Jungpflanzen wachsen so in die lichtreiche Jahreszeit hinein und können sich besser entwickeln.
Stecklinge: Bei manchen Pflanzen fällt beim Rückschnitt im Frühjahr ohnehin reichlich Stecklingsmaterial an, das gleich genutzt werden kann. Gute Entwicklungschancen haben auch Stecklinge, die man nach dem ersten kräftigen Austrieb im Frühsommer schneidet. Bei Gehölzen kann sogar noch im Sommer und Herbst geschnitten werden.
Steckhölzer werden im Spätherbst oder Frühwinter geschnitten. In Sand einschlagen und kühl und frostfrei aufbewahren. Im Februar stecken.
Wurzelschnittlinge macht man im Dezember/Januar.
Staudenteilung nehmen Sie am besten kurz vor dem Umtopfen (also im Frühjahr) vor.
Knollen teilt man am Ende der Ruhezeit, das heißt im zeitigen Frühjahr.
Zwiebelblumen vermehrt man nach dem Einziehen des Laubes im Frühsommer/Sommer.
Die generative Vermehrung
Aus Samen können einjährige und mehrjährige Blumen, Halbsträucher und Gehölze, Gemüse und Kräuter vermehrt und herangezogen werden. Balkon- und Terrassengärtner mit wenig Platz für den unausbleiblichen Jungpflanzensegen beschränken sich am besten auf Pflanzen, die schon nach kurzer Kulturdauer fertig sind und blühen. Denn Pflanzen die von der Aussaat bis zur Blüte zwei oder mehrere Jahre brauchen, beanspruchen nicht nur viel Pflege, sondern auch Platz.
Einjährige Pflanzen (zum Beispiel viele Sommerblumen-, Gräser-, Gemüse- und Kräuter-Arten sowie einige Kletterpflanzen) haben die kürzeste Kulturzeit: 8 bis 12 Wochen dauert es vom Samenkorn bis zur fertigen Jungpflanze. Und hier die Zeiten, wann Sie mit der Aussaat beginnen können:
- Ab Januar im durchgehend geheizten Gewächshaus mit Doppelverglasung.
- Ab März in der Wohnung am Fensterbrett oder im ungeheizten Glashaus, sofern Sie ein warmes Vermehrungsbeet haben.
- Ab Mitte April im ungeheizten Gewächshaus oder Wintergarten ohne Zusatzheizung.
- Ab Mitte April bis Ende Mai im Freien, je nach Wärmebedürftigkeit der Pflanzen.
Zweijährige Pflanzen (zum Beispiel Gänseblümchen, Goldlack, Gartennelke oder Stiefmütterchen) bilden im Jahr ihrer Aussaat nur Blätter und erst im 2. Jahr Blüten. Man sät sie im Sommer in Kistchen, quartiert die Jungpflanzen im Herbst in die leergewordenen Balkonkästen um und überwintert sie auf dem Balkon (e Zeichnung, Seite 29) oder in einer Erdgrube im Garten jeweils mit einem Schutz aus Fichtenreisig.
Viele Gartenstauden lassen sich auch aus Samen heranziehen. Aussaatzeit, Kulturdauer und Kulturbedingungen variieren aber von Art zu Art erheblich. Man vermehrt sie deshalb besser durch Teilung (< Zeichnung, Seite 42) oder kauft fertige Jungpflanzen.
Gehölze können ebenfalls aus Samen vermehrt werden, haben aber oft eine lange Kulturzeit. Die Samen vieler winterharter Arten wie von Ahorn, Buchs, Berberitze oder Cotoneaster benötigen zudem eine Winterbehandlung, die im Fachjargon »stratifizieren« genannt wird. Die Samenvermehrung ist hier eher Liebhaber- oder Gärtnersache. Der Hobbygärtner vermehrt Gehölze besser durch Stecklinge oder Steckhölzer
Das brauchen Sie zum Vermehren
- Anzuchtgefäße, zum Beispiel Schale mit oder ohne Haube - auch einfache Aussaatkistchen mit Wasserabzug wie Obststeigen oder Styroporschalen, kleine Tontöpfe oder Multitopfplatten. Torfpreßtöpfe sind besonders vorteilhaft. Die Pflanzen können sie völlig durchwurzeln ohne daß sie noch einmal ausgetopft werden müssen.
- Durchsichtige Folienbeutel, die man auch zum Eintüten von Stecklingen nimmt oder Glasplatten zum Abdecken als Ersatz für Anzuchtgefaße ohne Abdeckhaube.
- Geeignete Substrate, zum Beispiel die im Fachhandel erhältliche Aussaat- oder Anzuchterde oder ein 1: I-Gemisch aus Torf und Quarzsand (kein Bausand). Torfquelltöpfe sind vor allem für große Samen oder Stecklinge ideal. Je eine Pflanze wird auf eine Torftablette verteilt.
- Heizbare Anzuchtschalen (Minitreibhäuser, Keimbox) oder Wärmematten zum Unterlegen der Aussaatgefäße, damit die Keimung wärmebedürftiger Pflanzen gelingt.
- Pflanzenetiketten und wasserfester Stift zum Beschriften.
- Bewurzelungspräparat (im Fachhandel) für die Stecklingsbewurzelung im Substrat.
- Holzkohlepuder und -stücke zum Desinfizieren des Wassers bei der Stecklingsbewurzelung im Wasser.
Tips für die erfolgreiche Aussaat
Augen auf beim Samenkauf! Kaufen Sie Samen im Fachgeschäft. Geben Sie hochwertigem Saatgut den Vorzug, auch wenn es teurer ist. Die Mehrausgabe macht sich durch größeren Blütenreichtum, bessere Wüchsigkeit, Gleichmäßigkeit und Gesundheit, bei Gemüse durch verstärkten Fruchtansatz bezahlt. Kaufen Sie Samen nur dort, wo viel davon umgesetzt wird. Denn: Je frischer der Samen ist, desto besser keimt er. Es sei denn, er ist in einem Keimschutzbeutel versiegelt, den man erst kurz vor der Aussaat öffnet.
Vorab das Ziel bedenken! Wer bereits bei der Aussaat seine Gestaltungsabsichten mit den selbstgezogenen Jungpflanzen überlegt hat, kann sich viel umständliches Hantieren ersparen, denn für verschiedene Bepflanzungsideen empfehlen sich unterschiedliche Aussaat-Methoden - entweder die Direktaussaat oder die Vorkultur.
Direktaussaat. Für die einheitliche Bepflanzung (zum Beispiel eines Balkonkastens) können Sie einige Arten direkt ins Gefäß säen . Nach der Keimung wird der Sämlingspulk ausgedünnt damit sich die Pflänzchen kräftig entwickeln. Wer noch Platz hat kann die überschüssigen Sämlinge in Einzeltöpfchen pikieren. Diese Methode empfiehlt sich auch, wenn man Hochstämmchen eine blumige Unterpflanzung geben möchte. Einfach eine 2 cm dicke Erdschicht auftragen und Blumen darauf aussäen.
Vorkultur. Sie empfiehlt sich für gemischte Bepflanzungen, bei denen es darauf ankommt, daß sich gesunde Jungpflänzchen mit eigenem, festem Wurzelballen entwickeln, die sich später gut mit anderen Pflanzen kombinieren lassen.
- Große Samen Korn für Korn einzeln in Torfquelltöpfe , Torfpreßtöpfe oder Multitopfplatten geben, so daß eine Pflanze pro Ballen oder Topf heranwächst.
- Sehr feine Samen hingegen lassen sich nicht exakt verteilen. Sie werden zweckmäßigerweise in Aussaatschalen gesät. Wichtig: Die Schalen nicht zu hoch mit Erde füllen, damit der Samen möglichst nah an der Bodenwärme ist. Nach der Aussaat die Schale sehr weich mit feiner Haarbrause und lauwarmem Wasser anfeuchten. Sobald die Sämlinge ihre beiden Keimblätter gut ausgebildet haben und sich richtige Laubblätter entwickeln, werden sie in Einzeltöpfe pikiert
Artgerecht aussäen! Auch Samen haben recht unterschiedliche Ansprüche, halten Sie sich deshalb genau an die Kulturanweisungen auf der Tüte. Dort ist angegeben, ob die Samenkörner mit Erde abgedeckt werden müssen (Dunkelkeimer) oder nicht (Lichtkeimer). Außerdem erfahren Sie, wie die Samen vor der Aussaat behandelt werden sollen so wie ihre individuelle Keimtemperatur, die man mit einem Bodenthermometer (im Fachhandel erhältlich) kontrollieren kann.
Für hohe Luftfeuchte sorgen . Aussaatgefäß mit Glasscheibe, durchsichtiger Haube oder Folie abdecken, damit »gespannte Luft« entsteht. Nach erfolgter Keimung Abdeckung ab und zu lüften. Einige Tage später ganz entfernen.
Substrat niemals austrocknen lassenlassen.
Weiterpflege der Sämlinge
Die Keimzeiten sind sehr unterschiedlich. Manche Pflanzen keimen schon nach einigen Tagen, andere nach Wochen oder Monaten. Am längsten brauchen meist große Samen. Sobald die Keimlinge so groß geworden sind, daß sie sich gegenseitig in einem Gefäß berühren, behindern sie sich in ihrer Entwicklung. Bei Direktaussaat ins Gefäß wird deshalb ausgelichtet oder ausgedünnt. Pflänzchen in Aussaatschalen pikiert (verzieht) man in Einzeltöpfe Stark wurzelbildende Pflanzen wie Pelargonien, die man meist aus Stecklingen zieht, werden zweimal verpflanzt. Ist der Ballen im kleinen Topf durchwurzelt, pflanzt man sie in einen nächstgrößeren. Der Wurzelballen wird dann noch größer und bietet die besten Voraussetzungen für eine prachtvolle Entwicklung und Blütenpracht im Kasten.
Viel Licht! Für die Weiterentwicklung ist viel Licht nötig. Stellen Sie das Jungvolk so hell wie möglich, aber nie sonnig. Bei zu wenig Licht vergeilen die Pflanzen und bilden unnatürlich lange Abstände zwischen den Blattknoten .
Entspitzen regt bei vielen Pflanzen eine reiche Verzweigung an und läßt sie gedrungener und damit buschiger wachsen.
Abhärten ist wichtig bei Pflanzen, die später ins Freie kommen. Stellen Sie die Pflanzen kühler (ungeheiztes Zimmer), sobald sie durch Bildung neuer Blätter anzeigen, daß sie den Pikierschock überwunden haben.
Nicht düngen! Die Nährstoffe im Substrat reichen für die ersten Wochen völlig aus. Einjährige Pflanzen werden gewöhnlich nach 2 bis 4 Wochen in neues, leicht gedüngtes Substrat pikiert. Bleiben sie länger in der Aussaatschale, können Sie 4 Wochen nach der Aussaat erstmals schwach düngen.
Balkonbulumen für Direktsaat ins Gefäß
Gänseblümchen, Bellis
Ringelblume, Calendula
Glockenblume, Campanula poscharskyana
Kapkörbchen, Dimorphoteca
Schlafmützchen, Eschscholzia
Duftwicke, Lathyrus
Lobelie, Lobelia
Mittagsblume, Mesembryanthemum
Gauklerblume, Mimulus
Elfenspiegel, Nemesia
Portulakröschen, Portulaca
Trompetenzunge, Salpiglossis
Kapuzinerkresse, Tropaeolum
Kübelpflanzen zum Aussäen
Zylinderputzer, Callistemon
Zistrose, Cistus
Glockenrebe, Cobaea
Banane, Ensete und Musa
Korallenstrauch, Erythrina
Eukalyptus, Eucalyptus
Zieringwer, Hedychium
Japanischer Hopfen, Humulus
Kreppmyrte, Lagerstroemia
Chilenischer Jasmin, Mandevilla
Ziertabak, Nicotiana
Kanarische und Echte Dattelpalme, Phoenix
Hanfpalme, Trachycarpus
Petticoatpalme, Washingtonia
Botanische Raritäten aussäen
Besonders interessant ist die Anzucht botanischer Raritäten, die Sie als Pflanzen noch nicht kaufen können. Hier eine kleine Auswahl von Pflanzen, von denen es kleine Samenportionen im Fachhandel oder über spezielle Versandfirmen gibt
Actinotis helianthi, Australische Flanellblume. 30 bis 50 cm hoher Strauch mit weißfilzigen Blättern und cremeweißen, margeritenähnlichen Blüten.
Alberta magna, immergrüner Strauch aus Natal mit lanzettlichen Blättern und orangefarbenen Blütenständen.
Boronia megastigma, Duft-Boronie. Immergrüner, bis zu 1 m hoher Strauch mit nadelfeinem Laub und gelben, wohlriechenden Blüten.
Lawsonia inermis , Hennastrauch. Strauch oder Baum mit eiförmigen Blättern und duftenden, rosa Blüten.
Telopea speciosissima, mit Protea verwandter, 3 bis 4 m hoher Strauch mit ledrigen Blättern und kegelförmigen, rot-orangefarbenen Blütenständen.
Tips für die erfolgreiche Stecklingsvermehrung
Auf die Hygiene kommt es an. Verwenden Sie für die Anzucht sauber Gefäße und zum Schneiden scharfe und hygienisch einwandfreie Messer oder Klingen. Berühren Sie die Schnittflächen der Stecklinge nicht mit den Händen. Große Schnittflächen können mit Holzkohle desinfiziert werden. Geben Sie bei Wasserbewurzelung Holzkohlebröckchen ins Wasser. Das alles beugt Fäulnis und Infekten vor.
BewurzelungshilfenBewurzelungshilfen. Wer Stecklinge im Substrat bewurzeln möchte sollte nicht auf sie verzichten. Tauchen Sie die Schnittflächen von Triebstecklingen (nicht von Wurzelschnittlingen) vor dem Stecken in flüssige oder pulvrige Bewurzelungsmittel (im Fachhandel). Die darin enthaltenen Wachstumshormone fördern die Wurzelbildung.
Verdunstungsflächen reduzieren . Bei großblättrigen Stecklingen empfiehlt es sich, die Blätter zu halbieren (quer durchschneiden). Auf diese Weise werden die Verdun stungsflächen reduziert und die Pflanze kann schneller bewurzeln.
Für Bodenwärme sorgen . Heizbare Minitreibhäuser oder Wärmematter zum Unterlegen (beides im Fachhandel) entwickeln die nötige Bodenwärme. Sie verhindert vor allem bei krautigen Stecklingen Fäulnis und erleichtert die Bewurzelung.
Wichtig: Gespannte LuftWichtig: Gespannte Luft. Tüten Sie das Anzuchtgefaß in einen durchsichtigen Folienbeutel ein Bei Minitreibhäusern Haube schließen. Hohe Luftfeuchte verhindert unnötige Verdunstung über die Blätter. Tüte und Haube ab und zu öffnen und lüften!
Weiterpflege der Stecklinge
Bilden sich bei Stecklingen, die im Substrat bewurzeln sollen, neue Blättchen, so ist die Bewurzelung erfolgreich verlaufen. Jetzt kann der Verdunstungsschutz (Haube oder Folie) entfernt werden. Bei der Wasserbewurzelung kann man die Wurzelbildung durchs Glas beobachten Hat der Steckling mehrere kleine Wurzeln angesetzt, Pflanze vorsichtig herausnehmen - die Wurzeln sind sehr brüchig - und in einen nicht allzu großen Topf mit lockerer Erde setzen. Licht, Entspitzen und Abhärten wie bei Sämlingen
Aussaat in Torfquelltöpfe
  
- Torftabletten mit lauwarmem Wasser begießen, bis sie aufgequollen sind. Überschußwasser entternen.
- Pro Topf ein Samenkorn I cm tief eindrücken. Haube schließen.
- Nach der Keimung öfter lüften, damit Jungpflanzen nicht faulen.
Pikieren leicht gemacht
  
- Sämling mit dem schlanken Pikierstab-Ende aus der Erde lösen.
- Wurzelspitzen etwas einkürzen.
- Mit dem dicken Pikierholz-Ende ein Loch in den Aufzuchttopf bohren, Keimling einsetzen und leicht andrücken.
Vermehren durch Teilen
Geteilt werden Pflanzen, die mehrtriebig wachsen, Horste oder Ausläufer bilden oder das Gefäß sprengen. Man topft die Pflanze im Frühjahr aus, lockert den Wurzelballen mit den Fingern und zieht ihn schüttelnd auseinander. Stark verfilzte Wurzelballen oder harte Wurzelgeflechte mit scharfem Messer oder Spaten auseinanderschneiden. Jedes Teilstück muß eigene Wurzeln und Triebknospen besitzen. Überlange Wurzeln werden eingekürzt, verletzte Wurzeln und Schnittflächen (bei Rhizomen) mit Holzkohlepuder desinfiziert. Anschließend Teilstücke eintopfen.

Durch Teilen vermehrt man zu sehr in die Breite gegangene
Stauden, Bambus-Arten sowie den Einfassungsbuchs (Buxus).
Pflanzen beherzt, aber dennoch wurzelschonend auseinanderziehen.
Beste Zeit: Beim Umtopfen im Frühjahr .
Vermehren durch Kindel
Kindel trennt man erst von der Mutterpflanze, wenn sie ausreichend groß sind und viele eigene Wurzeln haben. Agaven-Kindel sollten vor dem Einpflanzen in sandiges Substrat, Quarzsand oder Perlite 1 bis 2 Tage abtrocknen. Wer ungeduldig ist und unbewurzelte Kindel abnimmt, muß sie zur Bewurzelung in einen Folienbeutel eintüten

Kindel sind bereits fertige Jungpflanzen. Sie bilden
sich reichlich bei der Agave und sind auch bei Sorten
genaue Abbilder der Mutterpflanze. Man nimmt sie
erst ab, wenn sie eigene Wurzeln haben.
Vermehren durch Brutzwiebeln
Diese Vermehrungsmethode funktioniert in Gefäßen nur, wenn sie viel Erde fassen und mit ganz bestimmten Arten oder Sorten, zum Beispiel Tulipa kaufmanniana, Tulipa fosteriana, Muscari, Scilla, Colchicum. Zwiebeln nach dem Einziehen der Blätter ausgraben, Brutzwiebeln abnehmen, alle Zwiebeln trocken lagern und im September/Oktober wieder einpflanzen.

Brutzwiebeln sind Seitensprosse, mit denen sich viele
Zwiebelblumen vor allem Wildarten - im Garten von
allein vermehren. Dies funktioniert im stark begrenzten
Erdraum kleiner Kästen nur ganz selten.

Im Wasser bewurzeln
Eine einfache Methode, die zum Beispiel bei
Stecklingen von Oleander, Engelstrompete
oder Fleißigem Lieschen erfolgreich ist.
Stecklingsarten
  
- Kopfstecklinge schneidet man dicht unter einer Blattknospe von einjährigen, blütenlosen Triebspitzen. Sie sollten 2 bis 4 Blattpaare aufweisen und makellos und gesund aussehen.
- Teilstecklinge gewinnt man aus dem mittleren und unteren Triebteil.
- Steckhölzer schneidet man mit Augen aus der Mitte von jungen, aber ausgereiften Trieben. Länge: 10 bis 30 cm.
Vermehren durch Stecklinge
Ein Steckling ist ein Pflanzenteil, der von der Mutterpflanze abgetrennt und zur Bildung einer neuen kompletten Pflanze angeregt wird.
Kopfstecklinge schneidet man von einjährigen, blütenlosen Trieben. Man unterteilt sie in krautige, halbreife und verholzte Stecklinge, im Volksmund auch Frühlings-, Sommer- und Herbststecklinge genannt, nach der Jahreszeit, zu der man sie schneidet. Krautige Stecklinge bewurzeln am leichtesten, faulen aber schneller. Geschnitten wird etwa 'h cm unter einem Blattknoten. Der Steckling sollte 5 bis 10 cm lang sein und 2 bis 4 Blattpaare besitzen. Untere Blätter entfernen, da sie in der Erde faulen würden.
Teilstecklinge haben keine Sproßspitze.
Steckhölzer werden im Spätherbst oder Frühjahr von jungen, aber ausgereiften Trieben geschnitten. Sie sollen bleistiftdick und 10 bis 30 cm lang sein. Blätter entfernen und Schnittfläche am unteren Teil abschrägen, am oberen gerade abschneiden, damit man beim Stecken weiß, was oben und unten ist. Jedes Holz sollte an der Spitze mindestens I Auge haben. Einzeln in tiefe Kübel oder Eimer schräg stecken. Stecktiefe: 3h der Holzlänge. Oder bündelweise in Erdgrube einschlagen und im Frühjahr stecken. Rosen, Oleander und Jungfernrebe können so vermehrt werden.
Wurzelschnittlinge nimmt man im Spätherbst von Stauden mit fleischigen Wurzeln (Phlox), aber auch von Gehölzen (Plumbago). Man steckt sie in eine Erdmischung aus Lehm, Torf und Sand (3:2:1), überwintert sie frostfrei und hell und pflanzt sie im Frühjahr ein.
Knollenteilung wird vor allem bei Knollenbegonien praktiziert und hat nur bei sehr großen, kräftigen Knollen Erfolg. Geteilt wird im Frühjahr. Jedes Teilstück muß mindestens I Auge zum Austreiben besitzen. Schnittstellen mit Holzkohlepuder desinfizieren.
Was Sie noch wissen sollten
Manche Pflanzen enthalten Giftstoffe, die beim Schneiden austreten und Haut oder Schleimhaut reizen können Darum: beim Vermehren von giftigen Pflanzen mit Handschuhen arbeiten. Während der Arbeit nicht an den Augen reiben und darauf achten, daß kein Pflanzensaft in offene Wunden gerät.
Stecklingsvermehrung im Substrat - Beispiel Pelargonien
  
- Kräftigen, gesunden Seitentrieb mit desinfiziertem scharfem, Messer etwa 2 cm unterhalb eines Blattpaares abschneiden. Unteres Blattpaar, Knospen oder Blüten entfernen, damit alle Kraft in das Wachstum der neuen Pflanze gehen kann.
- Steckling 2 cm tief ins Substrat stecken, andrücken, angießen.
- Drahtbogen über Kreuz einstecken. Darüber Folienbeutel stülpen und zubinden. Topf sehr hell und warm, aber nicht sonnig, stellen.
Wurzelschnittlinge
   
- Ein bleistiftdickes Wurzelstück freilegen und dicht am Wurzelhals abschneiden.
- Wurzelstück in etwa 4 cm große Einzelstücke zerteilen. Diese am unteren Ende schräg, am oberen Ende gerade abschneiden.
- Schnittlinge mit dem schrägen Ende so ins Substrat stecken, daß der Schnitt genau mit der Substratfüllung abschließt. Mit Erde bedecken.
- Variante: Schnittlinge waagrecht ins Substrat legen und mit Erde abdecken.
Knollenteilung
  
- Knollen zum Antreiben mit der Eindellung nach oben in Kistchen mit angefeuchtetem Torf betten. Dünn mit Substrat abdecken. Warm und hell stellen.
- Sobald sich Triebknospen zeigen, jede Knolle mit desinf ziertem Messer in Stücke mit jeweils einer Triebknospe schneiden.
- Schnittkanten einige Stunden an der Luft abtrocknen lassen. Mit Holzkohlepuder bestreichen. Teilstücke in Einzeltöpfe setzen. Hell und warm aufstellen. Jungpflanzen später entspitzen.
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