Garten-Träume

 


Lerenen Sie Ihre Pflanzen kennen

Die Gefäßkultur, das mobile Gärtnern, war schon in der Antike beliebt. Mit Orangenbaum und Rosmarin kamen vermutlich die ersten Exoten zu uns. Heute pflegen wir Pflanzengäste aus allen Klimaregionen der Welt. Entsprechend nterschiedlich sind ihre Bedürfnisse.

Balkonblumen von Ageratum bis Zinnia, Kübelpflanzen von Abutilon bis Yucca und Zitrone, Zwiebelblumen, Gartenstauden, Gartengehölze, Wildblumen, Küchenkräuter, Beerensträucher und Gemüse - die Palette der Pflanzen, die fürs »mobile Gärtnern« eingetopft werden, wird ständig größer. Die meisten von ihnen sind Kinder wärmerer Länder. Aber mit zunehmender Begeisterung fürs Hobbygärtnern auf Balkon und Terrasse finden sich auch immer mehr winterharte Pflanzen aus kühl-temperierten Regionen ein. Grundsätzlich sind für die Gefäßkultur alle Pflanzen geeignet, die nicht zu stark wachsen und eher flache als tiefgreifende Wurzeln bilden - ganz egal, woher sie kommen. Ihr Wurzelwachstum ist ein ausschlaggebendes Kriterium, denn schließlich müssen die Pflanzen mit dem begrenzten Erdraum im Gefäß auskommen - ja, sie sollen darin sogar prächtig gedeihen. Dieser eng bemessene Lebensraum hat auch zur Folge, daß wir sie im Winter - einige sehr harte Arten und Sorten ausgenommen - schützen müssen.

Pflanzen für Balkon und Terrasse - die wichtigsten Gruppen

Die im folgenden aufgeführten Pflanzengruppen geben einen Überblick über die Vielfalt der Gewächse, die sich in Gefäßkultur pflegen lassen. Die Pflanzen innerhalb einer Gruppe haben keinen gemeinsamen botanischen Hintergrund, sondern sind bunt zusammengewürfelte Vertreter unterschiedlichster Herkunft und Lebensweisen.

Klassische Kübelpflanzen sind immer- oder sommergrüne Gehölze, Stauden, Kräuter oder Gräser aus tropischen und subtropischen Regionen einschließlich der Mittelmeergebiete. Die meisten von ihnen sind mehrjährig (von einjährigen Kräutern und Gräsern abgesehen) und nicht gegen unsere rauhen Winter gefeit. Frei im Garten ausgepflanzt, würden sie die Kälte nur unter besonders günstigen Umständen überstehen. Sie können deshalb in unseren Breiten nur im Kübel kultiviert werden, in dem man sie frostfrei überwintert

Klassische Balkonblumen sind neben den traditionellen Petunien, Pelargonien, Knollenbegonien und Fuchsien auch zahlreiche Sommerblumen, Kletter- und Schlingpflanzen. Balkonblumen wachsen einjährig, zweijährig oder ausdauernd und stammen vorwiegend aus tropischen und subtropischen Regionen. Die ein- und zweijährigen unter ihnen haben sich nach ein oder zwei Vegetationsperioden erschöpft und werden deshalb danach weggeworfen. Mehrjährige Blumen können überwintert werden. Viele Pflanzenfreunde schrecken aber davor zurück, sei es, weil sie zu wenig Überwinterungsplatz haben, oder weil sie befürchten, die Pflanzen doch nicht richtig über den Winter zu bringen. Zugegeben einige Pflanzen wollen hell überwintert werden und brauchen Lichtbedingungen, die ihnen nicht jeder geben kann. Aber davon abgesehen werden Herbst für Herbst immer noch viel zu viel kerngesunde Blumen weggeworfen, die nach richtiger Überwinterung im Folgejahr um so prächtiger blühen würden. Welche Überwinterung für sie in Frage kommt, und daß dies gar nicht so kompliziert ist, zeigen Ihnen die Ratschläge zur Überwinterung

Gartenpflanzen für die Gefäßkultur sind der neue Trend. Stauden, Sommerblumen, Zwiebelblumen Küchenkräuter, Gemüse, immergrüne Laub-, Nadel- und Obstgehölze, die bislang vorwiegend im Garten kultiviert wurden, ziehen nun auf Balkon und Terrasse ein und gedeihen dort- sehr zur Freude ihrer Pfleger - gesund und üppig. Viele unter ihnen sind frei ausgepflanzt völlig winterhart. Im Gefäß brauchen die meisten von ihnen aber einen Winterschutz.

Heimatstandorte und Klimazonen

Die meisten Pflanzen, die wir in Gefäßen pflegen, stammen aus den Tropen, den Subtropen oder aus den warm-temperierten Gebieten. Diese drei Klimagürtel ziehen sich vom Äquator ausgehend um die Erde und werden in Richtung Süd- und Nordpol durch die kühl-temperierte Zone fortgesetzt. Jede Klimazone ist nochmals in unterschiedliche Regionen aufgeteilt. Oft überschneiden sich die Zonen auch, oder es bilden sich, bedingt durch geographische Besonderheiten, abweichende Klima-Inseln.

Auf die Temperatur kommt es an

Ob eine Pflanze bei uns für die Sommerkultur im Freien geeignet ist, hängt davon ab, ob sie es am Heimatstandort gern durchgehend mollig warm hat oder starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht gewohnt ist. Tropische Regenwaldpflanzen mit gleichmäßig warmen Temperaturansprüchen dürfen nicht in die Sommerfrische! Sie werden auch Warmhauspflanzen genannt, womit ausgedrückt ist, daß sie jahraus jahrein bei uns nur in warmen Räumen gedeihen können. Geeignet für Balkon und Terrasse sind demnach:

  • Pflanzen aus tropischen Gebirgen, wo es tagsüber heiß und nachts kühl bis zur Frostgrenze sein kann.
  • Pflanzen aus tropischen Wüsten, die tagsüber bis zu 50 °C im Schatten und nachts oft bis nahe an den Gefrierpunkt absinkenden Temperaturen ausgesetzt sind.
  • Pflanzen der Subtropen mit tags warmen, nachts absinkenden Temperaturen, warmen Sommern und milden Wintern. Dazu gehören auch Pflanzen des Etesienklimas. So nennt man das an die Subtropen angrenzende »Mittelmeerklima«, das auch für Mittelchile, Kalifornien, Südaustralien und Südafrika gilt.
  • Pflanzen aus unseren Breiten, denen unser kühl-temperiertes Klima von Haus aus entspricht.

Weitere Standortbedingungen

Neben den Temperaturverhältnissen ihrer Klimazone finden Pflanzen an ihrem Heimatstandort noch weitere Bedingungen vor, an die sie sich im Laufe der Evolution angepaßt haben - kurz: die nun ihre Lebensgrundlage sind und die sie auch unter unserer Obhut dringend brauchen. Ganz entscheidend ist zum Beispiel, in welcher Höhe eine Pflanze lebt, welchen Boden sie unter den Füßen hat, wieviel Wasser sie bekommt. Botaniker teilen daher die Klimazonen nochmals in humide (feuchte), aride und semiaride (trockene und halbtrockene) Gebiete sowie in die tropischen Hochlagen ein.
Feuchte Gebiete findet man in der Nähe großer Wasserflächen und auf der Windseite der Gebirge. Die Böden sind in der Regel eher sauer. Der Niederschlag ist in jedem Monat des Jahres höher als die Verdunstung und kann als Regen oder Tau niedergehen. Feuchte Gebiete gibt es in Teilen Teneriffas, Ostasiens, im südlichen und südwestlichen Südamerika, in Südostaustralien, Neuseeland, Tasmanien sowie im Südwesten und Südosten der USA. Pflanzen feuchter Regionen lieben hohe Luftfeuchte (Lotus, Camellia), brauchen viel Wasser (Eucalyptus), vertragen Halbschatten (Pittosporum, Trachycarpus).
Trockene und halbtrockene Gebiete kommen im größten Teil der Subtropen und in warm-temperierten Zonen vor. In halbtrockenen Gebieten ist die Verdunstung in manchen Monaten höher als der Niederschlag, in trockenen ist die Verdunstung in jedem Monat höher als der Niederschlag. Trockene, wüsten und halbwüstenartige Gebiete finden wir in Israel, in der Türkei, im südlichen Nordamerika, im Windschatten der Anden. Halbtrockene Gebiete erstrecken sich am Mittelmeer, in Australien und Südafrika. Die Böden sind eher karg. Pflanzen trockener und halbtrockener Gebiete können Wasser speichern (Agave) oder mit wenig Wasser auskommen (Yucca), brauchen hohe Lichtmengen und sind sehr anspruchslos in Bezug auf Nährstoffe, müssen also nur wenig gedüngt werden. Dazu zählen Pflanzen aus Australien und dem Mittelmeerbereich.
Tropische Hochlagen zeichnen sich durch warme Tage und kühle Nächte aus. Wichtig: Der Boden kann nachts warm bleiben, in großer Höhe aber auch bis zur Frostgrenze abkühlen. Es regnet viel. Das Klima erlaubt einen raschen Nährstoffumsatz. Tropische Hochlagen finden wir vor allem in Mittel- und Südamerika. Pflanzen tropischer Hochlagen brauchen viel Licht (Bougainvillea) vertragen mit Ausnahme der Bougainvillee niedrige Bodentemperaturen, können - falls die Triebe bei kühlen Temperaturen absterben aus dem Stock wieder austreiben (Passiflora, Datura) und brauchen reichlich Wasser und Nährstoffe (Nachtschattengewächse).

Kalthaus und Warmhaus

Immer wieder stößt der Leser, der sich mit Pflanzen im und am Haus beschäftigt, auf diese beiden Begriffe. Sie haben etwas mit der Überwinterung exotischer Pflanzen zu tun. Fast alle Balkon- und Kübelpflanzen kamen einst als Gäste zu uns und brauchten im Winter ein Dach über dem Kopf. In der Renaissance waren das zunächst primitive Holzverschläge. Später wurden daraus Glashäuser, die, nach Erfindung der Heizung, entsprechend den Ansprüchen der Pflanzen temperiert werden konnten.
Das Kalthaus ist im Sommer warm, im Winter kühl (8 bis 12 °C) und hell. Hier gedeihen zahlreiche klassische Kübel-, Wintergarten- und Balkonpflanzen aus den Subtropen und Mittelmeerregionen. Es ist auch zur Überwinterung der Flora aus tropischen Hochlagen geeignet.
Das Warmhaus ist ganzjährig über 20 °C warm und luftfeucht. Es beherbergt viele Zimmerpflanzen des tropischen Regenwaldes. Für die Überwinterung der meisten Balkon und Kübelpflanzen ist es zu warm.

Die individuelle Lebensdauer

Wie alt eine Pflanze werden kann, hängt von ihrem arteigenen, genetisch festgelegten Lebenszyklus ab.
Einjährige Pflanzen, der Gärtner nennt sie Annuelle, gelangen innerhalb eines Jahres von der Keimung bis zur Samenreife. Den Winter übersteht nur ihr Samen. Einjährige Pflanzen kann man also nicht überwintern. Beispiele: Calendula officinalis, Lobelia erinus.
Zweijährige Pflanzen. der Gärtner spricht hier von Biennen, bauen im ersten Jahr den Sproß mit Blättern auf. Im zweiten Jahr blühen und fruchten sie, sterben danach ab und überdauern wie Einjährige durch Samen. Diese Pflanzen müssen übe einen Winter gebracht werden. Beispiel: Viola-Wittrockiana-Hybriden
Mehrjährige Pflanzen sind Stauden und Gehölze.
Stauden besitzen kein frosthartes Laub. Es stirbt in der kalten Jahreszeit ab und regeneriert sich im nächsten Vegetationsjahr aus Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, Rhizomen. Stauden werden im Garten über viele Jahre kultiviert. Bei Gefäßkultur im begrenzten Erdraum ist ihre Lebenszeit meist kürzer, weil sie nicht die Möglichkeit haben, ihre Speicherorgane ausreichend mit Reserven aufzufüllen.
Gehölze gehören ebenfalls zu den ausdauernden Pflanzen. Sie bilden in Stamm und Ästen Holz und können ihrem genetischen Programm entsprechend alt werden. Man unterscheidet je nach Wuchs Bäume, Sträucher sowie Halbsträucher, die teils holzig, teils krautig sind. Außerdem werden sie nach ihrem Laub klassifiziert in Nadelgehölze und Laubgehölze, die man ihrerseits wieder in immergrüne und sommergrüne (laubabwerfende) einteilt.

Familiengemeinsamkeiten

Wer die Beschreibungen der Balkon- und Kübelpflanzen liest, stellt fest, daß unter ihnen gewisse Pflanzenfamilien besonders reich vertreten sind. Die Familienzugehörigkeit besagt aber nichts anderes, als daß diese Pflanzen gleiche oder ähnliche Ansprüche haben. Eine gute Orientierungshilfe also für die Pflege.

Korbblütler (Compositae)

Bei ihnen steht die Sonnenform der Blüten sozusagen stellvertretend dafür, daß diese Pflanzen ausnahmslos einen sonnigen Standort lieben. (Auch unsere einheimische Kamille wächst nie in schattigen Wäldern.)
Pflanzenbeispiele: Leberbalsam (Ageratum), Goldmünze (Asteriscus), Gänseblümchen (Bellis), Blaues Gänseblümchen (Brachyscome), Ringelblume (Calendula), Sommeraster (Callistephus), Topf- und Strauchmargeriten (Chrysanthemum), Dahlie (Dahlia), Kapkörbchen (Dimorphoteca), Spanisches Gänseblümchen (Erigeron), Kapaster (Felicia), Gazanie (Gazania), Husarenknöpfchen (Sanvitalia), Silberblatt (Senecio), Studentenblume (Tagetes), Gelbes Gänseblümchen (Thymophylla), Zinnie (Zinnia).

Nachtschattengewächse (Solanacae)

Bei ihnen fällt auf, daß sie einen großen Bedarf an Nährstoffen und Wasser haben. Zurückzuführen ist das auf den Heimatstandort, an dem es viel regnet und tagsüber reichlich Licht und Wärme vorhanden sind, um die Nährstoffe in Pflanzensubstanz umzusetzen. Interessant ist auch, daß in dieser Familie giftige Alkaloide produziert werden, zu deren Aufbau Stickstoff nötig ist.
Pflanzenbeispiele: Hammerstrauch (Cestrum), Engelstrompete (Datura / Brugmansia), Veilchenstrauch (lochroma), Ziertabak (Nicotiana), Petunie (Petunia), Trompetenzunge (Salpiglossis), Spaltblume (Schizanthus), Nachtschatten (Solanum).

Hülsenfrüchtler(Leguminosae)

Unter ihnen findet man besonders herrlich blühende Bäume und Sträucher. Sie haben das Talent, durch Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft zu binden. Aus diesem Grund werden Pflanzen dieser Familie nur sparsam mit Stickstoff gedüngt.
Pflanzenbeispiele: Seidenbaum (Albizia), Flammenbusch (Calliandra), Kassie (Cassia), Ginster (Cytisus), Korallenstrauch (Erythrina), Duftwicke (Lathyrus), Hornklee (Lotus), Feuerbohne (Phaseolus), Erbse (Pisum), Sesbania (Sesbania).

Myrtengewächse (Myrtaceae).

Sie stammen mit Ausnahme der mediterranen Brautmyrte vorwiegend aus Australien und wachsen dort auf sauren, nährstoffarmen Böden. Das bedeutet, daß sie hartes, kalkreiches Wasser und starke Düngung nicht vertragen. Der Lichtbedarf ist auch im Winter sehr hoch, kein Wunder, zählen sie doch zu den immergrünen Gehölzen, die das ganze Jahr über ihre Blätter die Photosynthese betreiben, die ohne Licht nicht funktioniert.
Pflanzenbeispiele: Zylinderputzer (Callistemon) Waxflower (Chamaelaucium) Eukalyptus (Eucalyptus), Südseemyrte (Leptospermum), Eisenholzbaum (Metrosideros), Brautmyrte (Myrtus).

Lippenblütler (Labiatae)

Zu ihnen gehören viele vorzüglich schmeckende Küchenkräuter. Da zur Bildung der Aromastoffe Sonne und ein karger Boden nötig sind, dürfen diese Pflanzen weder schattig stehen noch übermäßig gedüngt werden. Übrigens: Die Aromastoffe (chemisch gesehen ätherische Öle) werden von Schadinsekten gemieden. Lippenblütler brauchen also kaum Pflanzenschutz.
Pflanzenbeispiele: Melisse (Melissa), Lavendel (Lavandula), Basilikum (Ocimum), Majoran und Oregano (Origanum), Rosmarin (Rosmarinus), Salbei (Salvia), Thymian (Thymus).

Geschichtliches zur Gefäßkultur

Der Brauch, Pflanzen außerhalb der freien Erde in Gefäßen zu kultivieren, entspricht dem uralten Hege und Pflegetrieb des Menschen und ist sicher älter, als wir belegen können. Die Gefäßkultur begegnet uns in allen antiken Hochkulturen. Die Hängenden Gärten der Semiramis nach dem Vorbild der alten babylonischen Stufentempel (Zikkurate) gebaut, waren vermutlich die ersten Dach- und Terrassengärten, die Adonisgärtchen der Griechen die ersten Topfpflanzengärten. Im hellenistischen Peristylgarten wurden Blumen in Bleikästen gepflegt. Die Römer übernahmen diese Sitte, setzten in Steintröge, die bis zu 80 cm Höhe mit Erde gefüllt waren, vor allem Nutzpflanzen ein, und zogen schöne Gehölzsolitärs in Kübeln. Wenden wir den Blick weit nach Osten, begegnet uns die uralte chinesische Penjingkultur, aus der um 60 n. Chr. die verfeinerte japanische Bonsaikunst entstand beides Gefäßkulturen.
Im Mittelalter spiegelt sich die Märchenpracht orientalischer Gartenkunst in Europa wider. Der Löwenhof der Alhambra war ursprünglich mit exotisch bepflanzten Kübeln besetzt. Überaus üppig und fremdländisch soll auch die Bepflanzung der Dachgärten der Kaiserburg zu Nürnberg gewesen sein, die Kaiser Friedrich II. anlegen ließ

Zur Geschichte der Kübelpflanzen

Sie beginnt bei uns vielleicht mit dem Rosmarin, den Römer oder Benediktinermönche aus dem sonnigen Süden über die Alpen brachten.

  • 794 wird Rosmarin im Capitulare de villis, der Landgüterordnung Karls des Großen, erwähnt. Ein Holzschnitt von 1518 zeigt den Rosmarin in einem Holzkübel.
  • Im 12. Jahrhundert waren bei uns bereits Zitrusfrüchte bekannt.
  • Im 13. Jahrhundert empfiehlt Hildegard von Bingen den Lorbeer als Heilpflanze.
  • 1550 waren in Schlesien schon Zistrosen (Cistus salviifolius) in Kultur.
  • 1583 kam die erste Agave nach Stuttgart und die Tochter des Augsburger Handelsherrn Jakob Fugger soll im gleichen Jahr den ersten Brautkranz aus Myrten getragen haben.
  • 1586 standen bei Laurentius Scholz in Breslau Feigen und Granatäpfel.
  • 1597 gab es im fürstbischöflichen Garten von Eichstätt schon Oleander.
  • Um 1600 führen die Portugiesen den Orangenbaum ein.
  • 1619 wird eine der ersten Orangerien als »Gebäu von Holzwerck daß man alle Jahr um S. Michelstag aufschlägt« beschrieben.

Mit dem Aufblühen der Gartenkunst zu Beginn des 17. Jahrhunderts und mit zunehmenden Pflanzenimporten aus den Mittelmeerländern und später auch aus der übrigen Welt, setzte sich der Brauch, Pflanzen südlicher Herkunft in Kübeln zu ziehen, in ganz Europa durch. Liebling des Barock war der Orangenbaum, für dessen Beschaffung und Überwinterung viel Geld ausgegeben wurde. Bald waren die Orangerien so groß, daß sie ein Gegenstück zu den Schlössern oder Häusern der Fürsten und reichen Bürger bildeten. Der Baron von Münchhausen hielt 1716 auf Schloß Schwöbber bei Hameln bereits 220 Citrus-Bäume! Die Orangerie des französischen Sonnenkönigs ist noch heute in Versailles bei Paris mit einer beachtlichen und alten Citrus-Sammlung zu bewundern. Weitere berühmte Orangerien entstanden in Herrenhausen bei Hannover, in Sanssouci bei Potsdam, in Schönbrunn bei Wien. Am 11. Oktober 1814 speisten die Teilnehmer des Wiener Kongresses in dieser 180 Meter langen Orangerie.

Zur Geschichte der Balkonblumen

Sie ergab sich aus der bereits praktizierten Gefäßkultur, aus architektonischen Elementen (Balkone, Brüstungen, Treppenaufgänge), die zu schmücken waren und nicht zuletzt aus dem passenden Blumenangebot. So erwies sich die besondere Architektur alpenländischer Häuser mit ihren meist überdachten, rustikalen Holzbalkonen bald als idealer Hintergrund für die im vorigen Jahrhundert erstmals züchterisch bearbeiteten Pelargonien, Fuchsien, Begonien und Petunien. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Pflanzensortiment durch Importe aus allen Ländern der Erde und durch intensive Züchtungsarbeit ständig vergrößert. Balkon, Terrasse und der Wintergarten sind heute zu wichtigen »Naherholungsgebieten« geworden, in denen man die Natur ohne Autostreß direkt am Haus genießen kann. Die Gärtner tragen diesem Wunsch Rechnung und versorgen uns mit immer neuen Pflanzengästen aus den entlegensten Winkeln der Welt.

 

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